Für das Marketing und andere Promotion-Zwecke hat Virtual Reality den Weg in die Industrie bereits gefunden. Im Zuge der Entwicklungen hin zur sogenannten Industrie 4.0 scheint auch in der Produktion großes Potenzial für den Einsatz von VR-Technologie zu liegen. Doch vor allem kleine und mittelständische Unternehmen üben bisher Zurückhaltung. Welche Rolle wird VR hier in Zukunft spielen?

Erstes Labortreffen am 27. Januar 2017

Um gemeinsame Interessen abzuklopfen führten die Teilnehmer der neu formierten Laborgruppe eine offene Diskussion über die Rolle von VR/AR/MR im Automotive-Bereich

Sammlung möglicher Anwendungsfelder

  • Fernwartung
  • Product Testing
  • Anlernen und Qualitätssicherung
  • Üben in sicherer Umgebung
  • Kollaboratives Arbeiten an getrennten Orten
  • Tutorials in VR

Sammlung von Herausforderungen

  • Interkultureller Austausch (New Technology vs. Old Industry)
  • Implementierung und Akzeptanz im Unternehmen
  • soziologische Fragen (Auswirkung auf die Mitarbeiter)
  • Medizinische Aspekte (Arbeitsschutz)
  • Verlässliche Übertragungswege der Daten
  • Datenschutz
  • Produktpiraterie
  • Implementierung und Akzeptanz im Unternehmen

Nächste Schritte
Je nach Interessenlage und Einschätzung der Relevanz der Themengebiete, werden die Mitglieder der Arbeitsgruppe einen dieser Themenbereiche zu Beginn des nächsten Labor-Tags auswählen. Der Bereich wird weiter ausdifferenziert mit dem Ziel eines ersten Konzeptpapiers. Außerdem wird es die Möglichkeit geben, VR-Anwendungen und -Hardware auszuprobieren.

Zweites Labortreffen am 3. März 2017

Besprechung und Konkretisierung der Ergebnisse des ersten Labortreffens
Die beim letzten Treffen herausgearbeiteten Themen „Interkultureller Austausch (New Technology vs. Old Industry) und „Implementierung und Akzeptanz im Unternehmen“ wurden als Basis für die Zusammenarbeit von VR-Fachleuten und Vertretern von klein- und mittelständischen Unternehmen der Automobilbranche identifiziert.
Erst mit einer gemeinsamen Kommunikationsbasis und im gegenseitigen Austausch können sie konkrete Bedarfe, Anwendungsfelder und Möglichkeiten zur Implementierung für VR erarbeiten.

Für einen möglichen Lösungsansatz wurden in Brainstormings folgender Rahmen festgehalten:

Zielgruppe
Angesprochen werden sollen

  • Multiplikatoren (Fachverbände, etc.)
  • Vertreter der Führungsebene von KMUs, da diese über Anschaffung und Finanzierung entscheiden
  • Indirekt: Mitarbeiter, die VR im Arbeitsalltag einsetzen sollen

Ziele
Das Format soll dabei helfen

  • Zurückhaltung im Umgang mit VR abzubauen
  • einen positiven ersten Eindruck von VR zu vermitteln („Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck“)
  • einen Grundstock an Informationen über VR-Technologie und ihre Möglichkeiten zu vermitteln, um Austausch mit VR-Fachleuten zu ermöglichen (reziprok)
  • eine gemeinsame Sprache zu finden
  • verschiedene Stakeholder zusammenzuführen
  • längerfristige Zusammenarbeit anzuregen (ggf. als Innovationscluster)
  • Erwartungsmanagement: Möglichkeiten, Grenzen, Kosten und Dauer der Implementierung

Eigenschaften (Design Principles)
Das Format sollte idealerweise folgende Bedingungen erfüllen

  • Location: vor Ort bei den Firmen
  • Form: Vorgespräch, Führung durch Produktionsareal, Ausprobieren von VR-Technik, Input best practise cases, Möglichkeiten und Grenzen, Diskussion über konkrete Anwendungen
  • Gruppengröße: maximal 3-7 Leute um Workshop-Charakter zu erhalten
  • Inhalte: best practice Beispiel-Anwendungen, die Ideen für eigene Anwendungen und Dynamik im Wettbewerb triggern
  • Agenda: Dauer von ca. 4 Stunden mit starker Rhythmisierung um kreative Energie zu erhalten

Diese Thesen sind ggf. im Verlauf des Prototyping zu diskutieren und zu erweitern.

Nächste Schritte
Auf Grundlage der erarbeiten Ziele und Prinzipien wird die Laborgruppe ein prototypisches Konzept des Formats entwickeln. Hierzu sollen Vertreter aus klein- und mittelständischen Unternehmen eingeladen werden, aus ihrem Alltag in der Produktion und ihre Sicht auf VR zu berichten. Auf Basis dieser Einsichten, kann die bisher fehlende „gemeinsame Sprache“ erarbeitet werden. Anschließend wird der Prototyp gemeinsam mit IN.VR auf seine Praxistauglichkeit getestet.

Drittes Labortreffen am 7. April 2017

Teilnehmende:
Virtual Reality e.V. Berlin Brandenburg, Automotive Berlin Brandenburg e.V., Innovationsforum VR Babelsberg

Ziel des Labortages war es, einen ersten Entwurf für ein Format zu entwickeln, das Vertreter der Führungsebene von KMUs aus dem Bereich Automotive für die Möglichkeiten von VR/AR sensibilisiert. Es soll zunächst ein Grundinteresse für die Technologien geschaffen werden und die KMUs mittelfristig dazu zu befähigen, Potenziale zum sinnvollen Einsatz von VR/AR innerhalb ihrer Production Pipelines eigenständig zu erkennen.

Um hierzu einen zielgruppengerechten Ansatz zu erarbeiten, haben wir zunächst versucht, die Strukturen innerhalb klein- und mittelständischer Unternehmen im Bereich Automotive, ihre Motive, die Besonderheiten des Standorts Berlin/Brandenburg, sowie die Produktionsabläufe der unterschiedlichen Gewerke und die Einbindung der Firmen in die Abläufe der Automobilindustrie besser zu verstehen.

In der Diskussion stellte sich heraus, dass sich die ursprüngliche Idee eines niedrigschwelligen Angebots, die Firmen vor Ort zu besuchen, in Gesprächen über die Möglichkeiten zu informieren und mit auf den jeweiligen Arbeitsbereich abgestimmter Demo-Cases auch praktische Beispiele erlebbar zu machen, in der Praxis kaum umsetzbar ist.

Die Lösungen die VR/AR möglicherweise bieten kann, sind für die Mehrzahl der KMU-Vertreter noch zu unklar, als dass es sich ihrer Ansicht nach lohnt, wertvolle Zeit in Beratungstermine zu investieren. Auch schwingt bei einer spezifisch auf das Thema VR abgestimmte Beratung immer die Befürchtung mit, dass VR/AR als beste Lösung für ein Problem „verkauft“ wird, obwohl andere Lösungsansätze sinnvoller wären.

Aus diesen Gedanken heraus ergab sich die Idee, Informationen und Beratung zu VR/AR an ein bereits bestehendes Projekt anzudocken, in dem – viel umfassender als dies im Innovationsforum VR geschehen kann und soll – allgemeine Potenziale für die  Digitalisierung in Firmen aus dem Produzierenden Gewerbe ermittelt werden sollen.

Das durchführende Unternehmen konnte hierzu bereits einige Firmen für die Pilotphase gewinnen, in denen Daten zur aktuellen Digitalisierungsrate sowie Bereiche ermittelt werden, in denen Entwicklungsbedarfe und -möglichkeiten bestehen.

Als nächste Arbeitsschritte wurde folgendes vereinbart:

  • Definition von VR/AR als spezieller Teilaspekt der Digitalisierung von Produktionsprozessen
  • Treffen zwischen Vertretern des Innovationsforums VR und Vertretern des bereits bestehenden Digitalisierungs-Projekts um Möglichkeiten zur Kooperation zu erörtern

3 Comments

  1. Teilnehmer des Innovationsforums
    2. März 2017

    Ich finde es spannend, dass die Frage nach der Anwendung von VR in der Automobilindustrie nicht in erster Linie technologische Fragen aufwirft, sondern vor allem kulturelle Fragen. Ich freue mich auf die Diskussionen während des nächsten Labortreffens!

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  2. Labor-Teilnehmer
    19. Mai 2017

    Ich bin gespannt auf den Vortrag von Prof. Ringshausen auf dem Symposium. Er wird zum Thema Soziologie-kulturelle Aspekte sicher spannenden Input geben

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  3. VR
    24. Mai 2017

    Welche Anwendungsgebiete Virtual Reality noch erschließen kann/wird ist und bleibt spannend. Warum sich die Automobilindustrie in erster Linie auf kulturelle statt industrielle Angelegenheiten fokussiert ist interessant. Braucht wohl noch etwas Aufklärungsarbeit bis das Potenzial erkannt wird.

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